Valencia on Fallas

Die Fallas, Valencias wichtigstes Stadtfest, sind ja bekanntlich im Frühling und können bei Zeiten so anstrengend werden, dass man sich nur noch ein Ende herbei sehnt. Da dachte ich mir, es wäre doch mal eine gute Idee im Herbst, mit genügend Abstand, einen Artikel über die Fallas zu schreiben – und dabei geht es mal wieder um ein Musikvideo.

Das Bild zeigt den Rapper Lory Money in traditioneller Kleidung vor eine Graffittiwand in ValenciaGleich vorweg möchte ich vermerken, dass ich das Lied an sich nicht besonders mag – weder musikalisch noch stilistisch – trotzdem ist das Lied vor einem interkulturellen Hintergrund sehr interessant. Und heute erkläre ich euch warum.

Der Künstler Lory Money hat schon vor ein paar Jahren per YouTube mit dem Lied Ola K Ase auf sich aufmerksam gemacht. Das Lied verbreitete sich viral über das Internet und der Satz „Ola K Ase“ (also: Hi, was machste?) hat sich auch im alltäglichen umgangssprachlichen Spanisch verankert.

Das Bild zeigt den Rapper Lory Money mit valencianischer Flagge im Hintergrund während der FallasDabei setzt der Künstler vor allem auf das Bild des afrikanischen Einwanderers, der zwar nicht perfekt Spanisch spricht, aber trotzdem auf clevere Art seinen afrikanischen Hintergrund mit dem Leben in Spanien thematisch verknüpft. Themen wie illegaler Straßenverkauf von gefälschten Handtaschen oder alltäglicher Rassismus werden auf unterhaltsame Weise angesprochen ohne, dass sich jemand schuldig fühlen muss.

Lory Money stellt bei den Fallas Tradition und Folklore auf den Kopf

In dem Video, dass ich heute vorstellen möchte, nimmt sich Lory Money das Thema Fallas in Valencia vor. Dementsprechend heißt das Video „Valencia On Fallas“ (hier: Fallas ist eine Referenz zum englischen „Fires“, also Valencia on Fires = Valencia brennt). Und mit dem selben Wortwitz führt Lory Money fort. Er verwendet valenzianische Begriffe wie despertà (Feuerwerk mit dem die Nachbarschaft geweckt wird), iaias (Omas) oder Olives Sin Hues (Oliven ohne Kern). Einer der wahrscheinlich merkwürdigstens Reime ist: „Quiero una Horchata, Motherfucker“ (also: Ich will eine Erdmandelmilch, Motherfucker).

(Direktlink)

Diese Mischung des Englischen mit dem traditionsreichen Valenzianisch ist einzigartig und neu. Man muss bedenken, dass in Valencia ein Großteil der Bevölkerung Spanisch spricht und die valenzianische Sprache nur den „Ureinwohnern“ und ihren „eigenartigen“ Traditionen vorbehalten ist. Das die Fallas nicht sehr offen für Außenstehende sind habe ich bereits in der Podcast-Episode über die Fallas erzählt. Und auch wenn man sich die Mitglieder der Falla im Video ansieht (die in den roten Pullovern), dann merkt man schnell, dass es sich vor allem um Valenzianer der Mittelklasse handelt. Migranten gibt es in den Fallas kaum.

Und genau hier ist der Punkt wo Lory Money mit den Konventionen bricht. Ein Afrikaner, der valenzianisch rappt, sich traditionell valenzianisch kleidet und so erfolgreich die folkloristischen Ritten auf sympatische Weise aufbricht, das zeigt eine andere Seite von Valencia.

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