Valencia on Fallas

Die Fallas, Valencias wichtigstes Stadtfest, sind ja bekanntlich im Frühling und können bei Zeiten so anstrengend werden, dass man sich nur noch ein Ende herbei sehnt. Da dachte ich mir, es wäre doch mal eine gute Idee im Herbst, mit genügend Abstand, einen Artikel über die Fallas zu schreiben – und dabei geht es mal wieder um ein Musikvideo.

Das Bild zeigt den Rapper Lory Money in traditioneller Kleidung vor eine Graffittiwand in ValenciaGleich vorweg möchte ich vermerken, dass ich das Lied an sich nicht besonders mag – weder musikalisch noch stilistisch – trotzdem ist das Lied vor einem interkulturellen Hintergrund sehr interessant. Und heute erkläre ich euch warum.

Der Künstler Lory Money hat schon vor ein paar Jahren per YouTube Weiterlesen

Oktoberfest in Spanien, Olé!

Heute geht es mal wieder um etwas kurioses und natürlich auch interkulturelles: Das Oktoberfest in Valencia. Denn dorthin hat es mich vor ein paar Tagen verschlagen. Jetzt ist das Oktoberfest in Valencia keine Neuheit, aber bisher habe ich mich noch nicht überwinden können mir diese Nachahmung des größten deutschen Volksfestes aus erster Hand anzusehen.

Das Bild zeigt das Poster vom Oktoberfest in Valencia mit typerscher blonder großbusiger FrauIch habe lange gezweifelt ob ein Besucht mir gefallen würde, denn es fängt schon damit an, dass das Oktoberfest in der Stierkampfarena statt findet. Ein Gebäude, dass ich mit viel Tradition in Verbindung bringe und bei dem ich nie im Leben erwartet hätte, dass jemand in der Stadtverwaltung das OK für ein Saufgelage nach deutschen Vorbild gäbe… aber bitte. Dazu kommt noch die Stereotypische Darstellung des Deutschen: Blonde Frauen mit prallen Brüsten, große Biere und dicke Würste – Für jemanden der nicht in Bayern aufgewachsen ist und in seinem Leben noch nie auf einen Oktoberfest war, hat das nur wenig mit Deutschland zu tun.

Aber ein Freund, ein Spanier, der seit kurzem intensiv Deutsch lernt und mit dem ich ab und zu ein bisschen Deutsch übe, gab mir einen guten Grund Weiterlesen

IV013 – Televisión

Ein Thema, dass mir schon seit langem auf dem Herzen liegt und worüber ich dringend mal sprechen wollte ist das spanische Fernsehen. Ich habe mich hingesetzt und einmal alle Kanäle durchgezappt um so einen kleinen Einblick in das hiesige TV Programm zu geben. Da ich mich beim Fernsehen immer schnell aufrege ist diese Folge auch unerwartet lang geworden. Weiterlesen

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IV011 – Cutre

Heute geht es mal wieder um Sprache. Passenderweise habe ich es kaum geschaft einen kompletten Satz zu formulieren. Ich war mal wieder zwischen den Sprachen verloren. Trotz des ganzen Stotterns hoffe ich, dass diese kurze Episode über das Wort „Cutre“ interessant ist.

Viel Spaß beim Hören…

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Schlangestehen

In Spanien wird immer noch ein großer Teil der alltäglich wichtigen Informationen von Mund zu Mund übertragen.

Beispiel: Der Busfahrplan an der Haltestelle ist unvollständig – einfach den nächsten Busfahrer anquatschen. Machen alle so. Ist eine anerkannte Vorgehensweise und man kommt dabei ins Gespräch. Ist kein Busfahrer in der Nähe kann man auch jeden anderen ansprechen. Diese Situation lässt sich wahlweise anwenden auf Banken, Postämter, Wegbeschreibungen und so weiter und so fort. Besonders daran ist, dass man niemals „abgewürgt“ wird, so im Sinne von: „Ich habe keine Zeit fragen sie mal wo anders nach“ oder einfach „Ich weiß nicht“. Man nimmt sich immer die Zeit anderen Menschen zu helfen. Sogar die Polizei tut das.

Das Schlangestehen ist dadurch manchmal mehr, als bloßes Warten. Man kann sich in der Poststelle zum Beispiel schon über die neuen Briefmarkenpreise erkundigen, die Wettervorhersage für den nächsten Tag erfahren oder die aktuellsten Prognosen für das nächste Fußballspiel von Barcelona oder Madrid bekommen. So weit, so stereotyp.

Eine lange Schlange vor einem Lottoladen

Schlangestehen für die Weihnachtslotterie

Ganz unstereotyp, aber unheimlich wichtig für jeden Ausländer zu wissen ist, dass Spanier äußerst disziplinierte Schlangesteher sind. Ein Fehlverhalten wird sehr ernst genommen.

Trifft man auf ein Schlange, dann fragt man als erstes ¿último? Sprich: „Wer ist der Letzte?“. Dadurch weiß man, wann man dran ist. Sind mehrere Schalter geöffnet, dann gibt es nicht mehrere Schlangen, sondern lediglich eine bei der der Schlangenerste an den zu erst freien Schalter geht. Auf diese Weise entstehen keine Missverständnisse.

Selbst wenn die Schlange sehr lang ist hat doch jede Person, die an erster Stelle steht das Recht sich alle Zeit der Welt zu nehmen um jegliche noch so detaillierte Information zu erfragen. Die in der Schlange Stehenden verhalten sich dementsprechend geduldig und würden nie auf die Idee kommen sich zu beschweren, wissen sie doch, dass ihnen, wenn sie an der Reihe sind, die gleiche Aufmerksamkeit zuteil wird.

Als Ausländer habe ich mich in den ersten Jahren öfters in Situationen wiedergefunden, in denen ich den Unmut meiner Schlangestehkollegen auf mich zog. Meistens, weil ich unbewusst meinen deutschen Schlangestehinstinkt folgte, der da lautet „Sie zu wo du bleibst.“

Besonders interessant sind deshalb die Schlangen, die zu gleichen Teilen aus Spaniern und Urlaubern bestehen, wie z. B. beim Fast-Food Restaurant, hier direkt neben der Kathedrale am Plaza de la Reina. Man bemerkt sofort, dass mehrere Schlangenstehkulturen aufeinander treffen und es immer zu Komplikationen kommt. Da hilft eigentlich nur eins: Ruhe bewahren und höflich bleiben.

Englisch sprechen.

Als ich letztens mal wieder mit einigen Spanischen Freunden zusammen war habe ich ein Phänomen beobachtet, das mir so noch nie aufgefallen ist. Diese Beobachtung ist natürlich rein subjektiv, wahrscheinlich nicht übertrag- oder generalisierbar. Trotzdem lässt mich der Gedanke nicht los. Es geht um das Verhältnis der Spanier zur englischen Sprache.

Man muss wissen, dass die Spanier (im Vergleich zu uns Deutschen) sehr kritisch der Angel-sächsischen Kultur gegenüber sind. Die Gründe dafür sind natürlich sehr vielseitig, aber ein Grund ist mit Sicherheit die Sprachbarriere zwischen Romanischen und Germanischen Sprachen, ist doch die Ablehnung der Angel-sächsischen Kultur ähnlich stark ausgeprägt in Ländern wie Italien, Frankreich, Portugal, und auch einigen Süd-Amerikanischen Ländern.  Im Gegensatz dazu ist die „Begeisterung“ (wie ich es jetzt mal überspitzt ausdrücken möchte) in Ländern in denen germanische Sprachen vorherrschen ähnlich stark. Beispiele sind Deutschland, Schweden, Finnland, Norwegen, die Niederlande.

// Zu diesem Thema gibt es eine Interessante Dikusion bei Quora: „To Americans, why do Germans feel more familiar than the French?

Man muss auch wissen, dass der Englischunterricht an spanischen Schulen (wieder im Vergleich mit D) eher dürftig ist, oder zumindest war. Meine Freundin hat mir erzählt, dass ihr Englischunterricht generell auf Spanisch statt fand und das man zwar Vokabeln und Grammatik gelernt hat, aber fast nie Aussprache. Sprich das Wort ‚Monday‘ wurde im Englischunterricht von allen, Schülern UND Lehrern, ‚mondai‘ (also mit o,a und i) ausgesprochen. Hier wird dem Spanier auch erschwert, dass es im Spanischen nur eindeutige Vokale gibt. Es gibt so gut wie kein ä-, ö-, ou-, ei oder eu-Laut. Sondern lediglich a,e,i,o,u.

Als ich also letztens mit einer recht großen Gruppe Spaniern aus war und neben mir auch noch ein anderer Ausländer (ein Türke, der kein Spanisch sprach) dabei war, musste also zwangsläufig ein bisschen Englisch gesprochen werden. Und es kam zu einem Gespräch, das ungefähr so ging:

Türke: … and how is you new job then?
Spanier: Oh, I am very happy!

Die Spanier haben auch Schwierigkeiten ein H am Anfang des Wortes auszusprechen, weil das im Spanischen immer stumm wäre. Um aber dieses H auszusprechen, bemühen sie sich manchmal zu sehr und machen ein CH (wie in ‚maCHen‘) daraus. Im Spanischen ist das der Buchstabe J. Der Spanier sagte also ‚Jappy‘ oder ‚CHappy‘.

Dem Türken war es total egal, ich glaube er hat es nicht einmal bemerkt. Aber dem Spanier war es ganz und gar nicht egal. Er bemerkte sofort seinen faux pas und verspürte das Bedürfnis sich vor seinen spanischen Kollegen am Tisch zu rechtfertigen. Er machte also einen Witz daraus.

Spanier: „Haha, ‚Jappy‘, no inglish, haha“.

Und als ich das sah, habe ich Gedacht: Oje, welch einen starken Druck durch seine Peer-Group ist ein Spanier ausgesetzt wenn er Englisch spricht. Die Angst gegenüber den eigenen Freunden das Gesicht zu verlieren, weil man zu viel spanischen Akzent durchklingen lässt, ist vielleicht ist das der Grund warum viele Spanier sich eher zurückhalten, wenn es um Englischsprechen geht. Gar nicht weil sie es nicht können (Ich bin der Überzeugung, dass viele meiner spanischen Freunde mindestens genauso gut Englisch reden wie ich) sondern weil sie Angst vor Entblößung gegenüber den Eigenen Landsleuten haben.

Diese persönliche subjektive These von mir kann man natürlich, wie bereits eingangs gesagt nicht verallgemeinern, aber den Grundgedanken werde ich im Hinterkopf behalten, weiter beobachten und gegebenenfalls berichten.

Total untypisch …

Letzte Woche war ich mal wieder in Deutschland. Diese Kurzurlaube in der Heimat veranlassen mich immer wieder erneut über Stereotypen und mein Bild von Deutschland und Spanien nachzudenken. Dieses Mal besonders stark, weil ich ein langes Gespräch mit einem Freund hatte, der angenehmerweise sehr interessiert an meinen Erfahrungen in Spanien war und gleichzeitig bereit war absolut wertefrei mit mir darüber zu reden (was tatsächlich nicht normal ist).

Ich habe ihm erzählt von den Stereotypen die Spanier gegenüber uns Deutschen haben und welche Stereotypen die Spanier von sich selbst pflegen. Und natürlich ging es auch um die Stereotypen die die Deutschen von den Spaniern haben. Stereotypen zu identifizieren hilft immer ungemein eine solche Konversation zu objektivieren.

Heute ist mir ein neues Hilfsmittel eingefallen. Man müsste eigentlich mal eine lange Liste der Dinge machen die total untypisch sind.

Gestern habe ich ein Gespräch zwischen Spaniern mitbekommen, es ging ungefähr so:

Persona A: „Boa, ist das warm heute, jetzt ist es wirklich Sommer“
Persona B: „Bei mir im Auto stand 34 Grad“
Persona A: „Ich habe irgendwo 36 Grad gelesen“
Persona C: „Und ich 37!“

Eine solche Unterhaltung hätte man genauso gut in Deutschland aufschnappen können.

Wir Deutschen denken immer 35° im Sommer ist sehr warm und für die Spanier ist das ja gar nichts, sie schwitzen erst bei 45°. Ist aber nicht so. Selbst hier im mediteranen Valencia sind die ersten 35 Grad im Jahr ein ausgesprochen gutes Small-Talk Thema und Grund genug sich über die Hitze zu beschweren.

Ich war einmal mit ein paar Freunden in Deutschland in Darmstadt im Freibad. Darunter war auch ein Spanier. Alle Deutschen haben aufgeschrien als der Spanier sich Sonnencréme aufgetragen hat: „Wieso schmierst du dich denn ein? Du bist doch Spanier und mit der Sonne aufgewachsen“. Das dieser Spanier nicht nur aus der nördlichen Stadt Santander kam, sondern auch noch käsebleich war, das hatten sie glatt übersehen.

Total untypisch, halt!