Englisch sprechen.

Als ich letztens mal wieder mit einigen Spanischen Freunden zusammen war habe ich ein Phänomen beobachtet, das mir so noch nie aufgefallen ist. Diese Beobachtung ist natürlich rein subjektiv, wahrscheinlich nicht übertrag- oder generalisierbar. Trotzdem lässt mich der Gedanke nicht los. Es geht um das Verhältnis der Spanier zur englischen Sprache.

Man muss wissen, dass die Spanier (im Vergleich zu uns Deutschen) sehr kritisch der Angel-sächsischen Kultur gegenüber sind. Die Gründe dafür sind natürlich sehr vielseitig, aber ein Grund ist mit Sicherheit die Sprachbarriere zwischen Romanischen und Germanischen Sprachen, ist doch die Ablehnung der Angel-sächsischen Kultur ähnlich stark ausgeprägt in Ländern wie Italien, Frankreich, Portugal, und auch einigen Süd-Amerikanischen Ländern.  Im Gegensatz dazu ist die “Begeisterung” (wie ich es jetzt mal überspitzt ausdrücken möchte) in Ländern in denen germanische Sprachen vorherrschen ähnlich stark. Beispiele sind Deutschland, Schweden, Finnland, Norwegen, die Niederlande.

// Zu diesem Thema gibt es eine Interessante Dikusion bei Quora: “To Americans, why do Germans feel more familiar than the French?

Man muss auch wissen, dass der Englischunterricht an spanischen Schulen (wieder im Vergleich mit D) eher dürftig ist, oder zumindest war. Meine Freundin hat mir erzählt, dass ihr Englischunterricht generell auf Spanisch statt fand und das man zwar Vokabeln und Grammatik gelernt hat, aber fast nie Aussprache. Sprich das Wort ‘Monday’ wurde im Englischunterricht von allen, Schülern UND Lehrern, ‘mondai’ (also mit o,a und i) ausgesprochen. Hier wird dem Spanier auch erschwert, dass es im Spanischen nur eindeutige Vokale gibt. Es gibt so gut wie kein ä-, ö-, ou-, ei oder eu-Laut. Sondern lediglich a,e,i,o,u.

Als ich also letztens mit einer recht großen Gruppe Spaniern aus war und neben mir auch noch ein anderer Ausländer (ein Türke, der kein Spanisch sprach) dabei war, musste also zwangsläufig ein bisschen Englisch gesprochen werden. Und es kam zu einem Gespräch, das ungefähr so ging:

Türke: … and how is you new job then?
Spanier: Oh, I am very happy!

Die Spanier haben auch Schwierigkeiten ein H am Anfang des Wortes auszusprechen, weil das im Spanischen immer stumm wäre. Um aber dieses H auszusprechen, bemühen sie sich manchmal zu sehr und machen ein CH (wie in ‘maCHen’) daraus. Im Spanischen ist das der Buchstabe J. Der Spanier sagte also ‘Jappy’ oder ‘CHappy’.

Dem Türken war es total egal, ich glaube er hat es nicht einmal bemerkt. Aber dem Spanier war es ganz und gar nicht egal. Er bemerkte sofort seinen faux pas und verspürte das Bedürfnis sich vor seinen spanischen Kollegen am Tisch zu rechtfertigen. Er machte also einen Witz daraus.

Spanier: “Haha, ‘Jappy’, no inglish, haha”.

Und als ich das sah, habe ich Gedacht: Oje, welch einen starken Druck durch seine Peer-Group ist ein Spanier ausgesetzt wenn er Englisch spricht. Die Angst gegenüber den eigenen Freunden das Gesicht zu verlieren, weil man zu viel spanischen Akzent durchklingen lässt, ist vielleicht ist das der Grund warum viele Spanier sich eher zurückhalten, wenn es um Englischsprechen geht. Gar nicht weil sie es nicht können (Ich bin der Überzeugung, dass viele meiner spanischen Freunde mindestens genauso gut Englisch reden wie ich) sondern weil sie Angst vor Entblößung gegenüber den Eigenen Landsleuten haben.

Diese persönliche subjektive These von mir kann man natürlich, wie bereits eingangs gesagt nicht verallgemeinern, aber den Grundgedanken werde ich im Hinterkopf behalten, weiter beobachten und gegebenenfalls berichten.

IV006 – Bürgerbewegungen Teil 2

Letztens habe ich noch über Bürgerbewegungen gesprochen und gestern ist hier in Valencia etwas losgebrochen. Diesmal geht es um Polizeigewalt gegenüber größtenteils minderjährigen Demonstranten, die gegen Kürzungen im Bildungssystem demonstrieren.

An dem Institut Lluis Vives, direkt gegenüber vom Hauptbahnhof kam es gestern zu starken Ausschreitungen. 26 Jugentliche, davon 5 minderjährige sind festgenommen worden. Videos (1, 2) und Fotos (1, 2) zeugen von extremer und unnötiger Härte mit der die Polizei gegen die Schüler vorgegangen ist.

Nachdem ich die Ereignisse mehrere Stunden lang durch die sozialen Medien beobachtet habe (hashtags: #IESLluisVives, #PrimaveraValenciana), habe ich mich entschlossen mal hinzugehen und mit eigenen Augen zu sehen was dort los ist. Glücklicherweise war alles ruhig als ich vor Ort war und die Proteste lösten sich gegen 23 Uhr auf. Aber das bedeutet nicht das Ende dieses Konfliktes, denn bereits heute morgen kreist schon wieder unaufhörlich ein Polizeihubschrauber über der Stadt und über Twitter werden neue Termine für Demonstrationen, nicht nur in Valencia, sondern auch in Madrid, Barcelona und anderen größeren Stadten, verbreitet.

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