Oktoberfest in Spanien, Olé!

Heute geht es mal wieder um etwas kurioses und natürlich auch interkulturelles: Das Oktoberfest in Valencia. Denn dorthin hat es mich vor ein paar Tagen verschlagen. Jetzt ist das Oktoberfest in Valencia keine Neuheit, aber bisher habe ich mich noch nicht überwinden können mir diese Nachahmung des größten deutschen Volksfestes aus erster Hand anzusehen.

Das Bild zeigt das Poster vom Oktoberfest in Valencia mit typerscher blonder großbusiger FrauIch habe lange gezweifelt ob ein Besucht mir gefallen würde, denn es fängt schon damit an, dass das Oktoberfest in der Stierkampfarena statt findet. Ein Gebäude, dass ich mit viel Tradition in Verbindung bringe und bei dem ich nie im Leben erwartet hätte, dass jemand in der Stadtverwaltung das OK für ein Saufgelage nach deutschen Vorbild gäbe… aber bitte. Dazu kommt noch die Stereotypische Darstellung des Deutschen: Blonde Frauen mit prallen Brüsten, große Biere und dicke Würste – Für jemanden der nicht in Bayern aufgewachsen ist und in seinem Leben noch nie auf einen Oktoberfest war, hat das nur wenig mit Deutschland zu tun.

Aber ein Freund, ein Spanier, der seit kurzem intensiv Deutsch lernt und mit dem ich ab und zu ein bisschen Deutsch übe, gab mir einen guten Grund Weiterlesen

Hin und her gerissen in der Sommerpause.

Nicht viel ist passiert bei Inside Valencia in den letzten Monaten. Auf Twitter deutete ich bereits an, dass eine unpraktische Kombination von Ereignissen es mir erschweren Zeit und Technik zu finden für neue IV Podcasts. Siehe hier:

Mittlerweile ist es auch schon wieder Juli. Es ist brüllend heiß, die Fußball EM 2012 ging gestern Abend mit dem glücklichen Sieger Spanien zu Ende, in der Provinz Valencia wüten die schlimmsten Waldbrände seit Jahrzehnten und sowohl politisch als auch ökonomisch bleibt das Klima angespannt.

Als ich gerade im Hausflur die alte Dame aus dem ersten Stock traf fragte sie mich natürlich, ganz der Jahreszeit üblich, ob wir denn den Sommer in Valencia verbringen (Das machen nur die Valencianos, die arbeiten müssen/können. Alle anderen sehen zu, dass sie kühlere Sommerresidenzen aufsuchen). Ich erzählte ihr, dass ich morgen für einen Monat nach Deutschland fahre und den ganzen Juli dort verbringen werde.

Und so ist es. Morgen geht es los. Bin voller Vorfreude auf ein Wiedertreffen mit Familie, Freunden und Bekannten. Wie jedes Jahr ist die Heimkehr ein Ereignis, dass mich bereits Wochen vorher beschäftigt. Ich merke, dass ich mich schon seit ein paar Tagen intensiver mit deutschen Medien beschäftige. Gestern Abend habe ich sogar eine deutsche Dokumentation auf der arte Webseite gesehen. Das mache ich normalerweise nie. Irgendwie habe ich unbewusst das Gefühl über deutsche Themen auf dem Laufenden sein zu wollen.

Den umgekehrten Effekt habe ich dann wenn ich erst einmal zwei Wochen in Deutschland bin. Plötzlich ist jede Nachricht aus Valencia furchtbar interessant. Ich entwickle ein extrem ausgeprägte Spanien-Radar, was meine Interessen angeht und höre wieder vermehrt spanische oder katalanische Musik. Als Auswanderer ist man wahrscheinlich immer irgendwie hin und her gerissen.

Aber eines steht fest: Der deutsche Sommer ist viel angenehmer als der valenzianische und deswegen mach ich mich auf den Weg.

Passenderweise zum Thema Sommer / Hitze / Valencia verlinke ich hier noch das äußerst schöne Lied Suavitat Universal von Orxata Sound System. Einen schönen Sommer wünsche Inside Valencia!

Total untypisch …

Letzte Woche war ich mal wieder in Deutschland. Diese Kurzurlaube in der Heimat veranlassen mich immer wieder erneut über Stereotypen und mein Bild von Deutschland und Spanien nachzudenken. Dieses Mal besonders stark, weil ich ein langes Gespräch mit einem Freund hatte, der angenehmerweise sehr interessiert an meinen Erfahrungen in Spanien war und gleichzeitig bereit war absolut wertefrei mit mir darüber zu reden (was tatsächlich nicht normal ist).

Ich habe ihm erzählt von den Stereotypen die Spanier gegenüber uns Deutschen haben und welche Stereotypen die Spanier von sich selbst pflegen. Und natürlich ging es auch um die Stereotypen die die Deutschen von den Spaniern haben. Stereotypen zu identifizieren hilft immer ungemein eine solche Konversation zu objektivieren.

Heute ist mir ein neues Hilfsmittel eingefallen. Man müsste eigentlich mal eine lange Liste der Dinge machen die total untypisch sind.

Gestern habe ich ein Gespräch zwischen Spaniern mitbekommen, es ging ungefähr so:

Persona A: „Boa, ist das warm heute, jetzt ist es wirklich Sommer“
Persona B: „Bei mir im Auto stand 34 Grad“
Persona A: „Ich habe irgendwo 36 Grad gelesen“
Persona C: „Und ich 37!“

Eine solche Unterhaltung hätte man genauso gut in Deutschland aufschnappen können.

Wir Deutschen denken immer 35° im Sommer ist sehr warm und für die Spanier ist das ja gar nichts, sie schwitzen erst bei 45°. Ist aber nicht so. Selbst hier im mediteranen Valencia sind die ersten 35 Grad im Jahr ein ausgesprochen gutes Small-Talk Thema und Grund genug sich über die Hitze zu beschweren.

Ich war einmal mit ein paar Freunden in Deutschland in Darmstadt im Freibad. Darunter war auch ein Spanier. Alle Deutschen haben aufgeschrien als der Spanier sich Sonnencréme aufgetragen hat: „Wieso schmierst du dich denn ein? Du bist doch Spanier und mit der Sonne aufgewachsen“. Das dieser Spanier nicht nur aus der nördlichen Stadt Santander kam, sondern auch noch käsebleich war, das hatten sie glatt übersehen.

Total untypisch, halt!